Partnerschaft für Demokratie

Digitaler Stadtrundgang „Spuren jüdischen Lebens in Greifswald“

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Mit diesen Worten beginnt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das am 23. Mai 1949 erlassen wurde. In Erinnerung an diesen ersten Artikel der Verfassung sind am 23. Mai 2013 in Greifswald 13 Stolpersteine verlegt worden. Mit diesen Steinen wird jüdischer Menschen gedacht, die in der Hansestadt gelebt haben und in der Zeit des Nazi-Regimes verschleppt und ermordet wurden.

Mitglieder der Evangelischen Studentengemeinde hatten bereits 2008 elf Stolpersteine an sechs Orten in Greifswald verlegt. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 2012 waren alle Steine heraus gebrochen und gestohlen worden und das an einem historischen Datum: Am 9. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen, Scheiben wurden eingeschlagen, jüdische Menschen bedroht, geschlagen, ermordet. An genau diese Menschen erinnern die Stolpersteine, die auf Initiative des Kölner Künstlers Gunter Demnig seit 1997 in zahlreichen deutschen Städten zum Innehalten und Nachdenken anregen. In Greifswald gibt es heute 28 Stolpersteine, viele davon in der Innenstadt, zum Beispiel für Elise Rosenberg in der Knopfstraße oder für Dr. Gerhard Knoche in der Domstraße.

Wer über die Steine in der Stadt stolpert, wird an die gewaltsame Deportation und Ermordung der jüdischen Greifswalder*innen erinnert. „Die Steine erinnern an die Namen der Menschen, die hier gelebt haben“, berichtet Anita Völlm von der Partnerschaft für Demokratie in Greifswald. Sie hat zusammen mit dem Arbeitskreis Kirche und Judentum der Pommerschen Evangelischen Kirche und der offenen Jugendarbeit der drei evangelischen Altstadtgemeinden einen Actionbound, das heißt einen digitalen Stadtrundgang, erstellt, in dem Interessierte die jüdische Geschichte Greifswalds kennenlernen können. Dabei geht es nicht nur um die Verfolgung jüdischer Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus. „Jüdisches Leben gab es über viele Jahrhunderte in Greifswald, von 1871 bis 1938 gab es eine Gemeinde, wir wollen eine Anregung geben sich damit zu beschäftigen“ berichtet Anita Völlm.

Weitere Informationen zu diesem Stadtrundgang und auch zur Deportation jüdischer Menschen aus Greifswald finden sich auf der Internetseite tagderbefreiung.info, die die Greifswalder Partnerschaft für Demokratie zusammen mit zahlreichen Partnern zum Jahrestag des Kriegsendes veröffentlicht hat. Den Stadtrundgang schaut man sich aber nicht zu Hause am Bildschirm an, sondern geht mit der kostenlosen App Actionbound auf dem eigenen Handy in Greifswald auf Spurensuche. Zu den einzelnen Stationen wird man per GPS geleitet, dort gibt es dann Aufgaben, Informationen, Bilder und Musik. „Bildungsveranstaltungen und Stadtrundgänge mit vielen Menschen sind aufgrund der Corona-Pandemie gerade nicht umsetzbar. Wir wollen aber trotzdem Angebote schaffen, die Besucher*innen und auch Greifswalder*innen dazu anregen mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. Wenn man genau hinschaut kann man einiges entdecken“, berichtet dazu Anita Völlm.

Die App Actionbound kann kostenlos auf dem eigenen Smartphone installiert werden. Das funktioniert per App Store, Google Play oder direkt per apk-Datei von der Homepage (mehr Infos unter www.actionbound.de). Zum Entdecken des Greifswalder Rundgangs muss anschließend mit der App der QR-Code zum Stadtrundgang gescannt werden.

Weitere Informationen zum Stadtrundgang: https://tagderbefreiung.info/aktionen/digitaler-stadtspaziergang-eine-spurensuche-juedischen-lebens-in-greifswald/