Partnerschaft für Demokratie

Mutmaßlich rechtsextreme Angriffe in Stralsund und Greifswald

Als Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie Greifswald möchten wir Sie auf die Reihe von mutmaßlich rechtsextremen Angriffen der letzten Tage in Stralsund und Greifswald aufmerksam machen. Angegriffen wurden das Vereinsbüro und Mitarbeiterinnen einer Migrantinnenselbstorganisation in Stralsund und das Jugendzentrum klex in Greifswald (Pressemitteilungen siehe unten).

Wir verurteilen die Angriffe und möchten den Betroffenen unsere Anteilnahme und unsere Solidarität aussprechen. Räume des zivilgesellschaftlichen Engagements und der Selbstorganisation von Migrantinnen oder Jugendlichen dürfen nicht durch menschenverachtendes Denken und Handeln bedroht und eingeschränkt werden. Ein Angriff auf diese Räume und Akteur*innen ist ein Angriff auf die vielfältige, solidarische Gesellschaft, in der wir leben wollen.

Pressemitteilung von DaMigra e.V., Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern e.V. und Tutmonde e.V.

Mutmaßlich rechtsextremer Angriff auf Vereinsbüro und Mitarbeiterinnen von Migrantinnenselbstorganisation in Stralsund

Stralsund, 25.01.2020. Am 23. Januar wurden die Vereine Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern, Tutmonde und DaMigra in Stralsund von drei mutmaßlich rechtsextremen Männern bedrängt und bedroht. Die Männer hatten zuvor das Gemeinschaftsbüro der drei Vereine über mehrere Stunden belagert, in dem zu dem Zeitpunkt Mitarbeiterinnen der Träger arbeiteten. Sie verfolgten eine der Frauen auf dem Weg zu ihrem Auto und bedrängten sie bis zum Einsteigen. Später am Nachmittag machten sie Fotos vom Büro und dem Briefkasten. Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht und an die Polizeieinheit MAEX (Mobile Aufklärung Extremismus) wegen des Verdachts auf ein rechtsmotiviertes Tatmotiv gemeldet. Bereits am Mittag wurde eine Kollegin von Tutmonde e.V. angegriffen. Auf dem Weg in die Innenstadt wurde sie von einem auf einem Fahrrad vorbeifahrenden Mann gezielt getreten und verletzt. Der Täter konnte unerkannt entkommen. Die Polizei hat ebenfalls eine Anzeige aufgenommen. Das Büro wird aufgrund dieses und ähnlicher Vorfälle in der Vergangenheit aufgelöst, da die Sicherheit der Mitarbeitenden nicht mehr gewährleistet werden kann. Die Arbeit der Vereine wird fortgeführt, ein neues Büro wird gesucht.

Kontakt für Rückfragen: Tutmonde e.V., 01738776565

Stadtjugendring verurteilt versuchten Brandanschlag: Jugendzentren dürfen nicht Zielscheibe von Gewalt werden

Der Stadtjugendring Greifswald e.V. verurteilt den Anschlag, der am Sonntagabend auf das Jugendzentrum klex verübt wurde. Bislang unbekannte Täter warfen gegen 19:50 Uhr Molotowcocktails auf die Treppe der Eingangstür in der Langen Straße 14. Dank aufmerksamer Zeugen wurden umgehend Polizei und Feuerwehr verständigt. Es ist keinerlei Schaden entstanden. Der Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Anklam hat die Ermittlungen aufgenommen.
Die versuchte schwere Brandstiftung reiht sich ein in eine Serie von agressiven Vorfällen, die sich am Wochenende gegen das Jugendzentrum klex richteten. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden Vereinsmitglieder von einer Gruppe bedroht, die rechtsextreme Parolen riefen und ein Fahrrad an die Eingangstür schleuderten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden Besucher*innen einer Veranstaltung auf dem Innenhof mit Feuerwerkskörpern beschossen. Ein Zusammenhang zwischen den Angriffen und ein politisch motivierter Hintergrund sind gegenwärtig nicht auszuschließen.

Hierzu erklärt Lucile Souquet, Vorstandssprecherin des Stadtjugendrings:
„Wir sind schockiert von diesen gezielten Angriffen und der Bereitschaft, die Sicherheit und das Leben von Menschen zu gefährden. Es ist absolut inakzeptabel, dass Jugendzentren zur Zielscheibe von Gewalt werden. Nur durch einen glücklichen Zufall entflammten die Brandsätze nicht. Die Täter haben bewusst in Kauf genommen, dass sich zum Zeitpunkt des Brandanschlags Menschen in den Räumen befunden haben könnten. Wir erwarten, dass die polizeilichen Ermittlungen mit Nachdruck geführt werden, um die Täter schnellstmöglich zur Verantwortung zu ziehen. Wir bitten alle Zeugen, die mit Hinweisen und Beobachtungen weiterhelfen können, sich an die ermittlenden Polizeidienststellen zu wenden. Wir sind dankbar für die zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die uns erreichen. Wir zeigen uns solidarisch mit weiteren Trägern der Jugendarbeit und Zivilgesellschaft, die in den vergangenen Tagen Opfer von Angriffen und Einschüchterungsversuchen wurden. Wir lassen uns von dem Anschlag nicht einschüchtern und werden uns als Träger des Jugendzentrums klex weiterhin mit voller Überzeugung dafür einsetzen, dass sich Besucher*innen, Vereinsmitglieder und Mitarbeitende jederzeit sicher fühlen können.“

Ansprechpartner*innen für Rückfragen:
Lucile Souqeut, Yvonne Görs, Tino Höfert
kontakt@sjr-greifswald.de, 03834 898330